Mittwoch, 22. März 2017

BfN Pressemitteilung

BfN Pressemitteilung

Bonn/Berlin, 22. März 2017: Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat heute
das erstmals aufgestellte "Bundeskonzept Grüne Infrastruktur" der
Öffentlichkeit präsentiert. Das Konzept bündelt vorliegende Daten sowie
Fachkonzepte und stellt für die Raum- und Umweltplanung wichtige
bundesweite Informationen über Natur und Landschaft bereit.

Graue Infrastruktur wie Straßen und Schienen, Kanäle und
Hochspannungsleitungen, aber auch menschliche Siedlungen nimmt Flächen in
Anspruch und zerschneidet Lebensräume und auch Lebensräumverbünde - mit
anhaltender Tendenz. Tag für Tag wird in Deutschland eine Fläche von 66
Hektar für graue Infrastruktur, das heißt für Siedlungs- und
Verkehrszwecke, neu in Anspruch genommen. "Der grünen Infrastruktur wurde
bislang viel zu wenig Beachtung geschenkt. Sie ist aber genauso
unverzichtbar für unsere Gesellschaft und auch unsere Wirtschaft wie die
graue Infrastruktur. Mit dem neuen Bundeskonzept wollen wir mehr
Bewusstsein für die Leistungen der Natur schaffen und eine Grundlage
bereitstellen, um diese Leistungen bei Planungen des Bundes besser mit zu
berücksichtigen. Wir erhoffen uns davon auch eine Vorbildwirkung des
Bundes für die Landes- und auch die regionale Ebene", erklärt
BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Wie passen die Begriffe "grün" und "Infrastruktur" zusammen? Dem Begriff
"Grüne Infrastruktur" liegt der Gedanke zugrunde, dass der Erhalt und die
Verbesserung von Ökosystemen und ihren Leistungen für die Entwicklung
eines Landes unverzichtbar sind. Denn von "grüner Infrastruktur"
profitiert nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch - ähnlich wie von
"grauer Infrastruktur", etwa wenn es um die Anpassung an den Klimawandel,
den Hochwasserschutz oder um Erholung und Gesundheitsfürsorge geht.
Schließlich ist es Ziel "grüner Infrastruktur" durch ein Netzwerk
naturnaher Flächen die Umwelt für den Menschen effizient zu sichern und
zu verbessern und zugleich die biologische Vielfalt zu bewahren.

"Rückgrat" grüner Infrastruktur bilden die geschützten Flächen und der
Verbund der Lebensräume. Dazu zählen folgende Schutzgebietskategorien:
Natura-2000-Gebiete, Nationalparke, Kern- und Pflegezonen der
Biosphärenreservate sowie die Nationalen Naturmonumente. Auch die Flächen
des Nationalen Naturerbes sind Teil der grünen Infrastruktur. Daneben
umfasst die grüne Infrastruktur unter anderem Flussauen, das Grün in
Städten und Siedlungen sowie Bereiche von Nord- und Ostsee. Bestandteile
grüner Infrastruktur sind zwar in erster Linie natürlichen Ursprungs,
können aber auch künstlich geschaffene Elemente wie Grünbrücken über
Autobahnen sein. "Entscheidend ist ihre Leistung für Mensch und Natur",
sagt die BfN-Präsidentin.

Das "Bundeskonzept Grüne Infrastruktur" weist auf nationaler Ebene Bezüge
zum Bundesnaturschutzgesetz auf. Seine Erarbeitung ist zudem als Auftrag
im laufenden Koalitionsvertrag aufgeführt, auf europäischer Ebene ist es
anderem in die EU-Biodiversitätsstrategie eingebettet. Dies hat unter
anderem zum Ziel, Schutz und Erhalt von Ökosystemen und
Ökosystemleistungen bis zum Jahr 2020 zu verbessern.

"Das Bundeskonzept Grüne Infrastruktur ist das Pendant zu Konzepten
grauer Infrastruktur wie dem Bundesverkehrswegeplan oder dem
Bundesnetzplan für die Stromnetze", erklärt die BfN-Präsidentin. Das
Konzept, das als Entscheidungshilfe für Planungen des Bundes angelegt
ist, basiert auf einem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, das das BfN
in Auftrag gegeben hatte. Auf dieser Grundlage hat das BfN schließlich
Datengrundlagen, Informationen und bestehende Fachkonzepte
zusammengetragen und in einem rund 70-seitigen Dokument gebündelt. Das
Konzept macht all diejenigen grünen Flächen sichtbar, die es bei
Planungen zu berücksichtigen gilt.

Das Bundeskonzept Grüne Infrastruktur ist ab sofort unter
www.bfn.de/bkgi.html verfügbar und kann beim Bundesamt für Naturschutz
per E-Mail unter pbox-bfn-leipzig@bfn.de bestellt werden.

Definitionen:

Ökosystemleistung:
Ökosystemleistungen umfassen eine Vielzahl Funktionen, die Natur für den
Menschen erbringt. Dies sind beispielsweise Erholung in naturnahen
Landschaften, Klimagasminderung durch Moorrenaturierung, Wasserrückhalt
und Hochwasserschutz durch naturnahe Auen oder auch Luftreinhaltung und
Klimaausgleich durch Stadtgrün.

Grüne Infrastruktur:
Grüne Infrastruktur ist das Pendant zur grauen, technischen
Infrastruktur. Sie umfasst natürliche Flächen wie intakte Moore oder
Seen, naturnahe Flächen wie extensiv genutzte Auen, Wälder und
Stadtparks, aber auch künstlich geschaffene Elemente wie Grünbrücken.
Ziel grüner Infrastruktur ist es, durch ein Netzwerk unversiegelter
Flächen die biologische Vielfalt zu bewahren und zugleich den Menschen
eine lebenswerte Umwelt zu sichern.

Bundeskonzept Grüne Infrastruktur:
Das "Bundeskonzept Grüne Infrastruktur" bündelt Datengrundlagen,
Informationen und Fachkonzepte zur grünen Infrastruktur, damit diese
zukünftig bei Planungen des Bundes berücksichtigt werden können. Das
"Bundeskonzept Grüne Infrastruktur" ist einsehbar unter
www.bfn.de/bkgi.html .

Diese Pressemitteilung finden Sie auch unter:
http://www.bfn.de/0401_pm.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=6011


Hrsg: Bundesamt für Naturschutz
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